Energieausweis RL 6 2015

OIB-RICHTLINIE 6 – 2015

Energieeinsparung und Wärmeschutz

 

UMFANG des ENERGIEAUSWEISES

  • Deckblatt mit Rückseite
    • Seite 1: Labelling
    • Seite 2: Kennzahlen
  • Anhang: Auszug aus dem Energieausweis – Programms
    • beinhaltet alle berechnungsrelevanten Daten, technisch und geometrisch
  • Alternativenprüfung (Neubau)
  • Sanierungsempfehlungen (Bestand)

 

Hinweis: der Energieausweis besteht nicht nur aus den Seiten 1 und 2, sondern ist ein umfangreiches Dokument und nur gültig, wenn er firmenmässig unterfertigt ist.

Empfehlung: investieren Sie in profund ausgestellte Energieausweise, anstelle in Billigangebote, Sie werden sehen, es lohnt sich.

 

INKRAFTTRETEN

Ab 1-05-2016 in Tirol

Gesetzliche Grundlage Land Tirol:

  • Technische Bauvorschriften 2016
  • Verbindlichkeitserklärung der OIB RL 2015

 

GELTUNGSBEREICH

Für konditionierte Gebäude:

Definition: darunter fallen sämtliche Räumlichkeiten welche beheizt, gekühlt, belüftet, entlüftet oder befeuchtet, und von Personen benutzt werden.

Prozessenergie zählt nicht dazu (Konditionierung von Räumen für andere Zwecke als Nutzung durch Personen. Z.B. Kühlung von Technikräumen, Beheizung von Glashäusern)

Vereinfacht gesagt: bei Wohngebäuden werden alle Räume mit Heizkörpern o.ä. auch in Kellern, Eingängen, Garagen, Trockenräumen, Dachböden etc. zur konditionierten Fläche gezählt.

AUSNAHMEN:

  • nicht konditionierte Gebäude
  • Gebäude, nur frostfrei (max. Raumtemperatur +5 °C) gehalten
  • provisorisch errichtete Gebäude (Nutzungsdauer max. 2 Jahre)
  • Wohngebäude: zeitlich begrenzte Nutzung, Energiebedarf <25%
  • erfüllt, wenn zwischen 1.11. und 31.3. weniger als 31 Tagen genutzt
  • Gebäude für Industrieanlagen, Werkstätten sowie landwirtschaftliche
  • Nutzgebäude – wenn durch eigene Abwärme beheizt
  • Gebäude für religiöse Zwecke
  • freistehende Gebäude < 50m² NGF (nur U-Werte)
  • sonstige Gebäude (nur U-Werte)
  • Denkmalgeschützte Gebäude:
  • keine Grenzwerte, aber Energieausweis erforderlich

– Auf Gebäude und Gebäudeteile, die als Teil eines ausgewiesenen Umfelds oder aufgrund ihres besonderen architektonischen oder historischen Werts offiziell geschützt sind, gelten die Anforderungen dieser Richtlinie nicht, soweit die Einhaltung dieser Anforderungen eine unannehmbare Veränderung ihrer Eigenart oder ihrer äußeren Erscheinung bedeuten würde. Das Erfordernis der Ausstellung eines Energieausweises bleibt davon unberührt.

 

GEBÄUDEKATEGORIEN:

Wohngebäude  (WG)

Nicht-Wohngebäude  (NWG)

1) Bürogebäude

2) Kindergarten und Pflichtschulen

3) Höhere Schulen und Hochschulen

4) Krankenhäuser

5) Pflegeheime

6) Pensionen

7) Hotels

8) Gaststätten

9) Veranstaltungsstätten

10) Sportstätten

11) Verkaufsstätten

12) Hallenbäder

 

Zuordnung:

  • Die Zuordnung zu den Gebäudekategorien erfolgt anhand der überwiegenden Nutzung, sofern andere Nutzungen jeweils 250 m2 Netto-Grundfläche nicht überschreiten.

 

  • bei Überschreitung ist wie folgt vorzugehen:

– entweder Teilung des Gebäudes  in einzelnen Nutzungen (wie bisher)

– oder neu: das komplette Gebäude wird für versch. Kategorien berechnet

 

ANFORDERUNGEN an den ENERGIEAUSWEIS:

Unterschiedliche  Anforderungen für:

  • Neubau
  • größere Renovierung
  • Wohnbauförderung
  • Sanierungsscheck

 

keine Anforderungen für:

  • Bestandsgebäude (bei Verkauf und Vermietung)
    • Vereinfachtes Verfahren möglich
  • denkmalgeschützte Gebäude

 

NIEDRIGSTENERGIEGEBÄUDE

  • Ziel: alle neuen Gebäude sind als Niedrigstenergiegebäude lt. EPBD2010/31/EU
  • auszuführen.
  • Erfüllung der Anforderungen 2020 des „Nationalen Plans“
  • ab 2019 – neue Gebäude, von Behörden als Eigentum genutzt
  • ab 2021 – alle neuen Gebäude
  • Ausnahmen: Gebäude, Kosten-Nutzen-Analyse über
  • wirtschaftliche Lebensdauer negativ (besondere und begründete Fälle)

 

ANFORDERUNGEN – DUALES SYSTEM

  • Variante 1: wie bisher – die Gebäudehülle wird bevorzugt optimiert

 

Anforderung HWB + EEB

  • Neu Variante 2: das energietechnische System wird bevorzugt optimiert

 

Anforderung HWB + fGEE

  • HWB Heizwärmebedarf [kWh/m²a]
  • EEB Endenergiebedarf [kWh/m²a]
  • fGEE Gesamtenergieeffizienz‐Faktor []
  • PEB Primärenergiebedarf [kWh/m²a]
  • CO2 Kohlendioxidemissionen [kg/m²a]
  • KB* außeninduzierter Kühlbedarf für Nicht Wohngebäude[kWh/m³a]

 

ANFORDERUNG ERNEUERBARER ANTEIL

  • dient der Umsetzung der Richtlinie 2009/28/EG
  • Nachweis bei Neubau und größerer Renovierung durch Nutzung
  • erneuerbarer Quellen

 

a) außerhalb des Gebäudes oder
b) durch Erwirtschaftung von Erträgen am Standort

 

a) Nutzung erneuerbarer Quellen außerhalb des Gebäudes:

  • Deckung Wärmebedarf für Raumheizung und Warmwasser durch
  • 50% Biomasse
  • 50% Wärmepumpe
  • 50% Fernwärme aus erneuerbarer Energie oder
  • 50% Fernwärme aus KWK und/oder Abwärme

unter Einhaltung des max. zulässigen HEB, entfällt die Alternativenprüfung

b) Nutzung erneuerbarer Quellen durch Erwirtschaftung von Erträgen am Standort:

  • Deckung Wärmebedarf für Raumheizung und Warmwasser durch
  • 10% EEB Warmwasser durch Solarthermie
  • 10% EEB Haushaltsstrom durch Photovoltaik
  • 10% EEB Raumheizung durch Wärmerückgewinnung oder
  • 5% Verbesserung EEB oder fGEE durch Kombination von Solar, Photovoltaik, Wärmerückgewinnung oder Effizienzsteigerung

 

ANFORDERUNGEN AN WÄRMEÜBERTRAGENDE BAUTEILE

Die wichtigsten U-Werte

  • Wände gegen Außenluft ≤ 0,35 W/m²K
  • Wände erdberührt ≤ 0,40 W/m²K
  • Wände (Trennwände) zwischen Wohn- und Betriebseinheiten ≤ 0,90 W/m²K
  • Fenster gegen Außenluft ≤ 1,40 W/m²K
  • Türen unverglast, gegen Außenluft ≤ 1,70 W/m²K
  • Decken gegen Außenluft ≤ 0,20 W/m²K
  • Böden erdberührt ≤ 0,40 W/m²K

 

ANFORDERUNGEN AN EINZELMAßNAHMEN

Bei Einzelsanierungsmaßnahmen ist eine der folgenden Methoden anzuwenden:

a) Erstellung eines Sanierungskonzepts (unter Einhaltung der Anforderungen der Größeren Renovierung)

Achtung: Jede einzelne Sanierungsmaßnahme darf diesem Konzept nicht widersprechen!

b) Der max. zulässige U-Wert muss um mind. 6% unterschritten werden (ab 2017 um mind. 12%).

 

Größere Renovierung: Definition für Tirol

  • Renovierung, bei der mehr als 25 % der Oberfläche der Gebäudehülle einer Renovierung unterzogen werden

Das heisst, dass z. B. bei einer kompletten Fassadensanierung eines Einfamilienhauses die Anforderungen der Grösseren Renovierung einzuhalten sind, da die Wandflächen mehr als 25% der Oberfläche ausmachen.

Dies ist vor Allem beim Bauen mit der Wohnbauförderung zu beachten!

Ausnahme:

  • Wenn bei größeren Renovierungen bautechnische oder baurechtliche Gründe einer Erreichung des Sanierungsziels entgegenstehen, reduzieren sich die Anforderungen in diesem Ausmaß.
  • Hinweis: dies ist vorab mit der entsprechenden Behörde abzuklären

 

SONSTIGE ANFORDERUNGEN welche unbedingt zu berücksichtigen sind

  • Kondensation an der inneren Bauteiloberfläche
    • ÖNORM B 8110-2 für Neubau und größere Renovierung
    • Wärmebrücken nach techn. und wirtsch. Möglichkeiten reduzieren
  • Luft- und Winddichte (n50 gem. ÖNORM EN 13289 – Verf. A)
    • Fensterlüftung n50 ≤ 3,0 h-1
    • mechanische Lüftung n50 ≤ 1,5 h-1
  • Sommerlicher Wärmeschutz
    • Wohngebäude: gem. vereinf. Nachweis ÖNORM B 8110-3
    • Nicht-Wohngebäude: Grenzwerte für KB* lt. OIB RL 6

 

ANFORDERUNGEN AN TEILE DES GEBÄUDETECHNISCHEN SYSTEMS

  • Wärmerückgewinnung (WRG)
    • Raumlufttechnische Zu- und Abluftanlage sind mit WRG auszustatten
  • Einsatz hocheffizienter alternativer Energiesysteme
    • Dezentrale Energieversorgungssysteme
    • Kraft- Wärmekopplung
    • Fern-/Nah- Wärme oder –Kälte aus erneuerbaren Quellen oder Kraft-Wärmekopplung
  • Zentrale Wärmebereitstellung
    • bei Neubau von Wohngebäuden mit mehr als 3 Wohnungen
    • Ausnahmen: Fernwärme / Gas, HWB < 25 kWh/m²a, Reihenhäuser
  • Wärmeverteilung
    • Mindestdämmstärken, abhängig von Art und Lage der Leitungen

 

PHOTOVOLTAIK

  • maximal deckbare Strombedarfsanteile sind definiert und anzuwenden
  • (Photovoltaikanlage und Verbraucher befinden sich im selben Stromkreis)

 

ELEKTRISCHE WIDERSTANDSHEIZUNGEN

  • In der OIB RL6, Ausgabe 2015 nicht mehr explizit ausgenommen
  • Hinweis- der erforderliche Nachweis erfolgt über:
  • Referenzanlage für Stromdirekt-Heizung ist eine Luft/Wasser-Wärmepumpe (ab 2005)